Verwaltungsgebäude

Bewahren. Sanieren. Weiterdenken.

Zum aktuellen Baufortschritt

Ein historischer Ort mit neuer Aufgabe

Mit der denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes an der Bahnhofstraße 6 schafft der MAWV einen modernen, zentralen Verwaltungssitz in Königs Wusterhausen. Zugleich wird ein prägender Teil der Innenstadt dauerhaft gesichert und neu belebt. Das Vorhaben ist Bestandteil des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ und verbindet Denkmalschutz, Stadtentwicklung und öffentliche Daseinsvorsorge.

Auf dieser Seite informieren wir regelmäßig über den Baufortschritt, erläutern Hintergründe und beantworten die wichtigsten Fragen zum Projekt.

Baufortschritt

Die ersten Maurerarbeiten beginnen

Die ersten Maurerarbeiten beginnen in Vorbereitung der Abdichtungsarbeiten. Längst vergessene Eingänge kommen zum Vorschein und müssen zugemauert. erden. Neue Fensteröffnung müssen vorbreitet werden.

Baustellenzufahrt

Die Baustellenzufahrt ist eingerichtet worden

Aufstellung Baustelleneinrichtung

Die Aufstellung der Baustelleneinrichtung hat begonnen.

Teile des alten Stuck gesichert

Damit die alte Fassade in neuem Glanz erstrahlen kann, werden Teile des alten Stuck gesichert. 

Das Wichtigste auf einen Blick

Wo entsteht der neue MAWV-Sitz? Was ist geplant, wann wird gebaut und wer verantwortet die Planung? Vier Fragen, vier kompakte Antworten zum Sanierungsprojekt in der Bahnhofstraße 6.

Wo?

Bahnhofstraße 6
15711 Königs Wusterhausen

In zentraler Innenstadtlage erhält ein lange ungenutztes, denkmalgeschütztes Gebäude eine neue Perspektive und wird dauerhaft wiederbelebt.

Was?

Rekonstruktion und denkmalgerechte Sanierung
Künftiges MAWV-Verwaltungsgebäude

Das historische Gebäude wird sorgfältig bewahrt, modernisiert und für seine neue Aufgabe weiterentwickelt. So verbinden sich prägende Bausubstanz und zeitgemäße Nutzung.

Wann?

Bauzeit:
Juni 2026 bis August 2028

Schritt für Schritt wird aus dem lange ungenutzten Gebäude wieder ein lebendiger Ort. Über wichtige Meilensteine und den aktuellen Baufortschritt informieren wir regelmäßig auf dieser Seite.

Wer?

Generalplanung

sta²
architekten. ingenieure. PartGmbB
Oldenburger Straße 7
15738 Zeuthen

Weitere Fachplanerinnen, Fachplaner und Projektbeteiligte ergänzen die Generalplanung in den verschiedenen Detailbereichen.

Ein Haus, das Stadtgeschichte erzählt

Das denkmalgeschützte Gebäude in der Bahnhofstraße 6 gehört seit mehr als einem Jahrhundert zum Stadtbild von Königs Wusterhausen. Das gründerzeitliche Wohnhaus, häufig als „Villa Picht“ bezeichnet, steht für unterschiedliche Epochen und Lebensgeschichten – von bürgerlicher Wohnkultur über medizinische und administrative Nutzungen bis hin zu Leerstand und Wiederbelebung.

Seinen überlieferten Namen verdankt das Haus dem Fleischermeister Paul Picht und seiner Familie. Auch die Schriftstellerin Meta Schoepp-Zimmermann lebte um die Jahrhundertwende an diesem Ort und verarbeitete Eindrücke aus Königs Wusterhausen in ihrem literarischen Werk.

Zur Geschichte der Adresse gehört zugleich ein ernstes Kapitel: Paula und Max Jacobsohn wohnten in der Bahnhofstraße 6, der Zahnarzt Georg Czapski führte hier seine Praxis. Sie wurden während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt. Stolpersteine vor dem Gebäude erinnern heute an Paula und Max Jacobsohn und halten ihr Schicksal im öffentlichen Gedächtnis.

Stationen eines besonderen Ortes

um 1905 
Bau des gründerzeitlichen Hauses

ab den 1960er-Jahren 
Verwaltungsnutzung, zeitweise als Wehrkreiskommando

ab 2000 
Leerstand

2006 
Dachstuhlbrand

2023 
Übernahme durch den MAWV

Mit der denkmalgerechten Sanierung wird das Gebäude nicht nur baulich gesichert. Ein prägender Ort der Stadtgeschichte erhält eine neue Aufgabe – und wird wieder zu einem lebendigen Teil von Königs Wusterhausen.

  • 1892-1905
  • Bau der Villa

    Im Jahr 1892 beantragte der Königs Wusterhausener Schlächtermeister Paul Picht (1853-1908) den Bau einer repräsentativen Villa in der Bahnhofstraße 6. Die Bauarbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin und wurden erst 1905 abgeschlossen. 

    Die im Stil des Gründerzeithistorismus errichtete Villa war als gehobenes Mietshaus mit großzügigen Wohnungen für wohlhabende Bürger vorgesehen. Die Bahnhofstraße entwickelte sich in dieser Zeit zu einer bevorzugten Wohnlage der Stadt. Paul Picht selbst wohnte im benachbarten Jugendstilhaus Bahnhofstraße 5 und betrieb seit 1889 seine Schlachterei in der Bahnhofstraße 4.

  • 1908-1924
  • Eigentümerwechsel und erste Bewohner

    1908 verstarb Paul Picht nach einem Herzschlag während eines Angelausflugs am Wolziger See. Seine Witwe Marie Picht erbte die Villa, musste sie jedoch kurze Zeit später verkaufen, um Erbansprüche innerhalb der Familie zu erfüllen. Bereits 1910 erscheint der Berliner Rechtsanwalt und Notar Dr. Paul Dens als Verwalter des Hauses.

    Zu den ersten bekannten Bewohnern gehörten der Ziegeleibesitzer Emil Jülich und der Ziegeleibesitzer Otto Heise. Vermutlich lebten zeitweise auch der Arzt Dr. Friedrich Zimmermann und seine Ehefrau, die Schriftstellerin Meta Schoepp, in der Villa. Meta Schoepp verarbeitete ihre Eindrücke aus Königs Wusterhausen in ihrem Roman Mein Junge und ich (1910), in dem zahlreiche Persönlichkeiten der Stadt, darunter auch Paul Picht, namentlich erwähnt werden. Während der Zeit des Nationalsozialismus erhielt sie als "Halbjüdin" Schreibverbot und nahm sich 1939 das Leben.

  • 1924-1945
  • Die Familie Jacobsohn und die Zeit des Nationalsozialismus

    Ab 1924 befand sich die Villa im Besitz des Kaufmanns Max Jacobsohn und seiner Ehefrau Paula Jacobsohn, einer Zahnärztin mit Praxis in der Bahnhofstraße. Beide gehörten zur jüdischen Gemeinde Königs Wusterhausens.

    Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Max Jacobsohn aus seinen öffentlichen Ämtern gedrängt. 1938 wurde er verhaftet und mehrere Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Das Ehepaar verlor sein Eigentum und musste nach Berlin ziehen. Im Jahr 1942 wurden Max und Paula Jacobsohn nach Riga deportiert und dort ermordet.

    Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Villa war Richard Picht, der Sohn des Erbauers Paul Picht, ein Rückkaufsrecht eingeräumt worden. Ab 1938 wird er wieder als Eigentümer genannt. Nach seinem Tod erscheint ab 1948 seine Ehefrau Martha Picht als Besitzerin.

  • 1945-1990
  • Öffentliche Nutzung in der DDR

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Villa überwiegend für medizinische Einrichtungen genutzt. Bereits 1952 entstand eine Zahnpoliklinik, in der unter anderem Dr. Witt und Dr. Maaßen tätig waren. Außerdem befanden sich mehrere Arztpraxen im Gebäude.

    1954 wurde die markante Turmspitze der Villa entfernt. 1966 erfolgte der Umbau zur Tuberkulose-Hauptberatungsstelle. Zu dieser Zeit wurde das Gebäude als Volkseigentum geführt, sodass Martha Picht ihr Eigentum entweder im Zuge einer Enteignung oder einer staatlich veranlassten Übertragung verlor. Als Entschädigung erhielt sie 20.000 Mark der DDR. Später nutzte das Wehrkreiskommando der Nationalen Volksarmee das Gebäude.

  • 1990-2023
  • Restitution, Leerstand und Verfall

    Nach der deutschen Wiedervereinigung beschloss die Stadt Königs Wusterhausen, in der Villa das Katasteramt einzurichten. Dieses wurde 1994 eröffnet. Bereits 1998 musste die Behörde jedoch ausziehen, nachdem das Gebäude im Rahmen der Rückgabe jüdischen Vermögens der Jewish Claims Conference zugesprochen worden war.

    Ein Verkaufsversuch im Jahr 2000 blieb erfolglos. Während des langen Leerstands verschlechterte sich der bauliche Zustand erheblich. 2005 wurden vor dem Haus zwei Stolpersteine zur Erinnerung an Max und Paula Jacobsohn verlegt. Ein Jahr später verursachte Brandstiftung schwere Schäden am Dach, wodurch der weitere Verfall beschleunigt wurde.

    2008 wurde die Villa für 170.000 Euro an zwei private Investoren verkauft. Trotz des Eigentümerwechsels unterblieb eine Sanierung, sodass das denkmalgeschützte Gebäude weitere Jahre ungenutzt blieb.

  • Seit 2023
  • Neue Perspektive für ein bedeutendes Baudenkmal

    Nach rund 25 Jahren Leerstand wurde die Villa 2023 vom Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) erworben. Geplant ist eine denkmalgerechte Sanierung und die Nutzung als Verwaltungssitz. Damit erhält eines der bedeutendsten Gründerzeitgebäude Königs Wusterhausens eine neue Zukunft.

    Die Villa Picht dokumentiert über mehr als 130 Jahre die Entwicklung der Stadt Königs Wusterhausen. Sie steht für die wirtschaftliche Blüte der Gründerzeit, erinnert an das Schicksal jüdischer Bürger während der nationalsozialistischen Verfolgung, spiegelt die öffentliche Nutzung in der DDR wider und verdeutlicht die Herausforderungen des Denkmalschutzes nach der Wiedervereinigung. 

    Mit der geplanten Sanierung bleibt dieses architektonisch und historisch bedeutende Bauwerk als Teil des Stadtbildes erhalten.
     

Aus Geschichte wird Zukunft

Was wird gebaut?

Das denkmalgeschützte Haus wird umfassend saniert und durch einen zweigeschossigen Erweiterungsbau auf der Hofseite ergänzt. Ziel ist es, das historische Gebäude dauerhaft zu erhalten und gleichzeitig einen modernen, barrierefreien und energieeffizienten Verwaltungssitz zu schaffen.

Die prägende Klinkerfassade sowie zahlreiche historische Bauteile werden denkmalgerecht restauriert oder rekonstruiert. Der neue Anbau fügt sich funktional in das Gesamtkonzept ein und ergänzt den historischen Bestand durch eine moderne Architektursprache.

Im Gebäude entstehen moderne Büroarbeitsplätze für 30 Mitarbeitende, ein multifunktionaler Sitzungssaal, Besprechungsräume sowie Aufenthalts- und Sozialbereiche. Ein Aufzug erschließt alle Geschosse und ermöglicht eine barrierefreie Nutzung.

Aufgrund erheblicher Schäden durch Brand, Feuchtigkeit und langjährigen Leerstand werden Dach, Geschossdecken und weitere Bauteile grundlegend erneuert. Gleichzeitig wird das Gebäude energetisch modernisiert, unter anderem durch eine Photovoltaikanlage und moderne Gebäudetechnik.

Mit der Sanierung und Erweiterung entsteht ein zukunftsfähiger Verwaltungssitz, der den historischen Charakter des Gebäudes bewahrt und gleichzeitig den Anforderungen einer modernen öffentlichen Verwaltung gerecht wird.

Gefördert für ein lebendiges Stadtzentrum

Das Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ unterstützt Städte und Gemeinden dabei, ihre historischen Zentren zu erhalten, leerstehende Gebäude zu reaktivieren und den öffentlichen Raum aufzuwerten. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Bahnhofstraße 6 ist Teil dieser gemeinsamen Investition in die Zukunft der Innenstadt von Königs Wusterhausen.