Wirtschaften im Sinne der Enkel und Urenkel

Verbandsvorsteher Peter Sczepanski über Nachhaltigkeit in der Wasserwirtschaft und die Frage: Wohin steuert der MAWV?

Das folgende Interview wurde mit Verbandsvorsteher Peter Sczepanski kurz nach seinem Amtsantritt geführt. Es erschien ursprünglich in der 20-Jahre-Chronik des MAWV.

Peter Sczepanski an seinem neuen Arbeitsplatz im MAWV-Büro in Königs Wusterhausen.

Peter Sczepanski ist seit Anfang des Jahres 2014 der neue „Steuermann“ beim Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverband. Zum Vorsteher gewählt wurde der 54-Jährige Monate zuvor: Die Mitglieder der Verbandsversammlung votierten in ihrer Sitzung am 25. September 2013 für den diplomierten Wasserbauer – einstimmig.

Dieser Vertrauensbeweis freute Sczepanski.

„Das klare Votum ist nun aber auch Verpflichtung für mich, alle Kraft zu investieren, um den erfolgreichen Kurs des Verbandes konsequent fortzusetzen.“

Herr Sczepanski, Sie sind jetzt die ersten Wochen im Amt. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Durchweg positiv. Ich muss aber zugeben, dass die kurze Zeit noch nicht ausgereicht hat, um wirklich alles und jeden kennenzulernen.

Der erste Monat stand beispielsweise ganz im Zeichen des Vertrautwerdens mit den technischen und kaufmännischen Abläufen. Otto Ripplinger und Falko Börnecke waren und sind mir dabei eine große Hilfe.
Eigentlich haben mich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des MAWV von Anfang an toll unterstützt.

Ich hatte auch intensive Gespräche mit den Verantwortlichen unserer Betriebsführungsgesellschaft, speziell mit DNWAB-Chef Rainer Werber und der Kaufmännischen Leiterin Julia Röhl. Darüber hinaus konnte ich die Vorsteher unserer Nachbarverbände aus Ludwigsfelde, Zossen und Blankenfelde-Mahlow schon ausführlich sprechen. Alles zusammen gibt mir die Sicherheit zu sagen: Hier bin ich richtig. Jetzt will ich auch den Schritt „ins Land“ wagen, also zu den Partnern vom Landeswasserverbandstag und von der KOWAB-Ost.

Als ausgebildeter Fachmann haben Sie doch sicherlich auch schon markante wasserwirtschaftliche Anlagen in Augenschein genommen?

Selbstverständlich. Diverse Wasserwerke oder das große Hauptpumpwerk in Schenkendorf habe ich ausgiebig inspiziert. Tatsache ist: Der Verband ist auf einem sehr hohen technischen Stand. Gemeinsam mit unserer Betriebsführungsgesellschaft DNWAB sind wir gut für die Zukunft gerüstet.

Sie sind seit dem Jahr 1996 erst der dritte Vorsteher des Verbandes …

Ja, der MAWV steht für Stabilität. Und das ist auch gut so. Nachhaltigkeit gerade beim Führungspersonal fi nde ich eminent wichtig. Vertrauen und Verlässlichkeit baut sich meiner Meinung nach über Jahre auf – gerade auch zu den Kunden. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir das Lebensmittel Nummer 1 liefern. Unser größter Schatz, unser wichtigster Leumund ist, wenn die Menschen sagen: Denen vom Märkischen Abwasserund Wasserzweckverband vertrauen wir!

Sie haben die Nachhaltigkeit angesprochen. Was heißt das für Sie konkret?

Wenn ich das auf den Punkt bringen soll: Wirtschaften im Sinne unserer Enkel und Urenkel! Unser Denken fängt bei nachhaltigem Ressourcenschutz an. Wir tragen für unser „Gut Wasser“ die Verantwortung, dass auch die nachfolgenden Generationen stets über ein entsprechendes Dargebot verfügen können. Das erfordert, mit dem Trinkwasser so effizient und sorgsam wie möglich umzugehen und das Abwasser auf höchstem Niveau zu reinigen und in die Natur zurückzuführen, also den Kreislauf zu schließen.

Ist der Zweckverband somit erster Umweltschützer?

Wenn Sie so wollen, ja. Wir sind in der Pflicht, die Natur, die Umwelt für die kommenden Generationen zu erhalten. Für den MAWV heißt das: Wir haben in den letzten 20 Jahren Systeme aufgebaut, Investitionen in Leitungen und Anlagen getätigt, die die Eckpfeiler für die Zukunft stellen. Wie ich schon sagte: Wir sind mit allen Anlagen auf einem sehr hohen Stand, für die Zukunft gut gerüstet.

Steht und fällt nicht gerade auch mit verträglichen Gebühren die Akzeptanz durch die Bürger?

Die Frage der Finanzierung ist nicht unwesentlich. So zählt zu nachhaltigem Wirtschaften für uns in erster Linie, den Enkeln keine Schuldenberge zu hinterlassen. Zur Philosophie unseres Verbandes gehört es auch, einen Kompromiss zu finden zwischen den Wünschen der Kommunen, dem Machbaren und den Kosten. Hier und da schlummert sicherlich noch Potenzial für Kosteneinsparungen.
Als Beispiel möchte ich die Energieoptimierung einzelner Anlagen nennen. So wollen wir die Fahrweise unserer Wasserwerke energetisch den Bedarfen noch besser anpassen.

Doch bei allem, was wir tun: Die Kunden stehen im Fokus!

Sagen Sie noch etwas zu den Entgelten …

Trinkwasser muss ein für alle zugängliches und erschwingliches Lebensmittel bleiben. Gutes und effizientes Wirtschaften drückt sich bei uns in stabilen oder sogar sinkenden Entgelten aus. Da wollen wir den von meinen Vorgängern eingeschlagenen Weg, der gekennzeichnet war von schrittweisen Senkungen, fortsetzen. Wir haben mit rund 106.000 Einwohnern im Verbandsgebiet eine optimale Stärke. Und ein ganz großer Trumpf ist unsere Betriebsführungsgesellschaft DNWAB. Durch diese betriebswirtschaftliche Struktur gelingt uns ein kostengünstiges Arbeiten. Wenn ich mich in Brandenburg umschaue: Wir brauchen keinen Preisvergleich zu scheuen.

Der MAWV ist zu 100 Prozent kommunal. Welche Vorteile hat solch ein Konstrukt?

Ein kommunales Unternehmen ist ja zutiefst demokratisch aufgestellt. Die regionalen Kenntnisse der gewählten Mitglieder der Verbandsversammlung, ihr Sachverstand und ihr am allgemeinen Interesse orientiertes Denken sind wichtige zusätzliche Elemente für die Effi zienz gemeindlicher Unternehmen! Bei den kommunalen Unternehmen herrscht überdies ein Höchstmaß an Transparenz, denn die Städte und Gemeinden sind ja unsere Gesellschafter, die in alle wesentlichen Prozesse Einblick haben und die alle strategischen Entscheidungen treffen. Mit der regelmäßig erscheinenden Märkischen Wasser Zeitung halten wir überdies unsere Kunden in jeder Beziehung auf dem Laufenden.

Sie haben viele Jahre bei den Berliner Wasserbetrieben gearbeitet. Der MAWV hat historisch bedingt Verbindungen nach Berlin …

Allein schon durch das Klärwerk Waßmannsdorf. Wir haben gerade den Vertrag für die Überleitung des Abwassers mit den Berliner Wasserbetrieben vorzeitig bis zum Jahr 2029 verlängert. Damit haben wir für diesen langen Zeitraum Sicherheit. Doch auch auf der Wasserstrecke gibt es nach wie vor Verbindungen – in Form von Leitungen. So könnten die Berliner bei einem Notfall immer in unser System einspeisen. (Schmunzelt.) Salopp formuliert: Das ist unser Hosenträger zum Gürtel.

Bei Ihrer Wahl sagten Sie: Meine Tür steht immer offen! Was meinten Sie damit?

Ich setze auf Kommunikation. Das ist häufig der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb auch dieses Angebot an alle Mitglieder zum Gespräch.

Offene Türen auch für weitere Beitritte?

Groß Köris und Halbe mit insgesamt 1.500 Einwohnern haben offi zielle Anfragen gestellt. Da sind wir in der Prüfung. Sollten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, könnten diese Orte dazukommen. Danach gilt es, sich zu stabilisieren und zu konsolidieren.

Aus gutem Grund: Die gesamte Beitragsbescheidung, Stichpunkt Altanschließer, muss jetzt endlich zum Abschluss gebracht werden. Ein ganzer Berg Arbeit wartet da noch auf uns. Aber wir wollen eine Lösung, die unsere Kunden akzeptieren und mit denen wir alle leben können.

Vor welchen großen Herausforderungen steht der MAWV in den kommenden Jahren noch?

Im Gefolge des Klimawandels gilt es sintflutartige Regenfälle und lange Trockenperioden zu meistern, die ein angepasstes Niederschlagsmanagement verlangen. Erkennbar ist ebenfalls ein veränderter Verbrauch bei Trinkwasser. Hier müssen wir grundsätzlich das derzeitige Verhältnis von Grund- und Mengengebühr auf den Prüfstand stellen. Im Schmutzwasser tauchen neue Inhaltsstoffe wie Arzneimittelrückstände auf. Denen ist mit den bisherigen Reinigungstechnologien nur schwer beizukommen.

Dies alles sind Herausforderungen, die neben dem nötigen Wissen vor allem kreative Lösungen verlangen. Hierbei will ich meine 30-jährige Erfahrung aus der Wasserwirtschaft einbringen.

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