Trinkwasserbeschaffenheit

Wasser ist ein Naturprodukt – als Trinkwasser regelmäßig überprüft, unterliegt es den strengen Kriterien der Trinkwasserverordnung

Königs Wusterhausen, 17.01.2017 – Den Verband erreichen Anfragen zur chemischen und biologischen Beschaffenheit bis hin zu möglichen Schadstoffen im Trinkwasser. Falko Börnecke, Technischer Leiter des MAWV: „Wir nehmen das Interesse, die gesundheitlichen Sorgen, aber auch den damit verbundenen Sicherheitsanspruch unserer Kunden sehr ernst.“ Das vom Märkischen Wasser- und Abwasserzweckverband gelieferte Trinkwasser entspricht vollumfänglich den Anforderungen der Trinkwasserverordnung. „Das aus acht Wasserwerken im Verbandsgebiet gelieferte Trinkwasser wird regelmäßig und unabhängig durch ein akkreditiertes und zugelassenes Labor untersucht und durch das zuständige Gesundheitsamt überwacht. Umfang und Häufigkeit der Untersuchungen sind in der Trinkwasserverordnung festgelegt. Das strengste lebensmittelrechtliche Regelwerk gibt die Qualitätsziele in Form von Grenzwerten vor“, erklärt Falko Börnecke.

Neben den geläufigen, im Haushalt bekannten Parametern wie z.B. Härtegrad, Eisen oder Mangan, tauchen anorganische und organische Spurenstoffe im Zusammenhang mit medialer Berichterstattung auf. So reicht die Bandbreite der Stoffklassen organischer Spurenstoffe von Humanpharmaka über Industriechemikalien, Körperpflegemittel über Additive in der Abwasser- und Klärschlammbehandlung bis zu Veterinärpharmaka, Waschmittelinhaltsstoffen, Nahrungsmittelzusatzstoffen, Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln sowie Futterzusatzstoffe. Diese Stoffe lassen sich mit moderner Messtechnik in geringster Konzentration im Bereich von einem Mikrogramm pro Liter (µg/l) Wasser und weniger nachweisen.

Exkurs: Ein Mikrogramm pro Liter entspricht einem Millionstel Gramm pro Liter. Eine herkömmliche Tablette hat einen Wirkstoffgehalt von 400 Milligramm, was 400.000 Mikrogramm entspricht. Um die Arzneimitteldosis einer solchen Tablette über das Trinkwasser (1 Mikrogramm pro Liter) aufzunehmen, müsste man über einen Zeitraum von knapp 548 Jahren täglich zwei Liter Wasser trinken.

Die Datenlage zur Bewertung von Spurenstoffen und ihrer Abbauprodukte im Wasserkreislauf ist unvollständig. Hier besteht erheblicher Forschungsbedarf, um die Risiken nach wissenschaftlichen Kriterien zu bewerten. Die andauernde Debatte um diese Stoffe zeigt auch, dass human- und ökotoxikologische Aspekte, naturwissenschaftliche und technische Randbedingungen ebenso wie administrative und juristische Optionen einer systematischen Aufarbeitung bedürfen. „Erforderliche Maßnahmen sollten wir mit Augenmaß treffen“, sagt Falko Börnecke.

Neben den gesetzlich in der Trinkwasserverordnung vorgegebenen finden im MAWV Verbandsgebiet auch Untersuchungen zur Feststellung einzelner Spurenstoffe statt. Anlass dafür können bekannte Einflüsse und Einwirkungen im Gewinnungsgebiet sein, wie beispielsweise der Brand im ehemaligen Reifenwerk in Eichwalde, oder andere, behördlich vorliegende Informationen. Durch gezielte Kontrolle und Überwachung (Monitoring) werden Risiken erkannt und Maßnahmen ergriffen.

Eine systematische Untersuchung aller bekannten Spurenstoffe ist weder gesetzlich vorgegeben, noch zählt dies zu den Aufgaben des MAWV. Die Untersuchung und Bewertung dieser Stoffe erfolgt u. a. durch das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) oder das Umweltbundesamt (UBA). So werden bestimmte Konzentrationen mit den durch das UBA definierten gesundheitlichen Orientierungswerten (GOW) in Ansatz gebracht. Dies sind Vorsorgewerte, die unter dem Gesichtspunkt des Ausschlusses einer gesundheitlichen Gefährdung festgelegt werden.

Bestimmte Stoffe gelangen über menschliche Ausscheidungen in das Schmutzwasser und können über undichte Abwassergruben oder schadhafte Kanäle in das Grundwasser gelangen. Eine systematische Ablösung der Sammelgruben und kontinuierliche Sanierung der siedlungswassertechnischen Infrastruktur, wie in den vergangenen Jahren begonnen, steht so im direkten Zusammenhang mit der Vermeidung des Eintrags dieser Spurenstoffe ins Grundwasser.

„Das von uns gelieferte Trinkwasser kann ohne Bedenken und uneingeschränkt als Nahrungsmittel verwendet werden. Mineralwasser als Ersatz für unser Trinkwasser aus dem öffentlichen Versorgungsnetz ist daher nicht notwendig. Mineralwasser als Trinkgenuss ist Geschmackssache, über den wir nicht streiten. Fakt ist jedoch, dass Trinkwasser – unser Lebensmittel Nr.1 – das am besten kontrollierte und überwachte ist.“

Falko Börnecke
Technischer Leiter, MAWV

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