Trinkwasser-Szenarien 2035

MAWV-Trinkwasserkonzept blickt in die Zukunft

Der Märkische Abwasser- und Wasserverband blickt nach vorn: Ende 2015 soll eine mittel- und langfristige Prognose zum Bedarf der Wasserversorgung und zur Entwicklung des Verbandes für die Jahre 2020 und 2035 in einem Trinkwasserversorgungskonzept erarbeitet sein. Für den MAWV Verbandsvorsteher Peter Sczepanski ist die Vorschau kein Orakel in der Glaskugel: „Wenn wir 20 Jahre in die Zukunft blicken und urteilen, wie der Trinkwasserbedarf in unserem Versorgungsgebiet aussehen wird, dann liegen dieser Prognose zunächst gesicherte Daten zugrunde“, erläutert Verbandsvorsteher Peter Sczepanski das Vorhaben. Das MAWV Trinkwasserversorgungskonzept ist deshalb ein Gemeinschaftswerk des MAWV, seiner Mitglieder und Mitgliedsgemeinden, der Betreibergesellschaft DNWAB, der wasserwirtschaftlich ausgerichteten Abteilungen und Behörden, insbesondere der unteren Wasserbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald. Der Ausgangspunkt ist der aktuelle Kenntnisstand aus den Jahren 2014 / 2015.

Methodisch basiert das Konzept auf der Erhebung und Analyse von quantitativen und qualitativen Daten, die aus dem Versorgungsgebiet stammen. Diese umfassen den Trinkwasserschutz, die Trinkwassergewinnung, die Trinkwasseraufbereitung, die Trinkwasserspeicherung, die Trinkwasserverteilung und die Trinkwasserverwendung ebenso wie Angaben zur Einwohnerzahl, angeschlossene Haushalte an die Trinkwasserversorgung, Trinkwasser-Ist-Entnahme, Kapazitäten der Fassungsanlagen, Leitungsnetze, Investitionen und Preise, die im Konzept zusammengefasst und bewertet werden.

„Unseren Mitgliedskommunen garantieren wir Versorgungssicherheit und eine hohe Qualität von Trinkwasser. Hierfür wollen wir als zentraler Punkt die Beschaffenheit und die Auslegung des Trinkwasserverbundsystems auf seine Leistungsfähigkeit hin untersuchen. Um unsere langfristig angelegten Lieferverpflichtungen gegenüber den Mitgliedskommunen zu erfüllen, kommen wir nicht umhin, auch die Entwicklung der Wasserschutzgebiete zu betrachten. Am Ende treffen wir auf der Grundlage der Analysen innerbetriebliche Festlegungen, wie wir Netze und Anlagen stabil betreiben und bedarfsgerecht erweitern wollen, um in den kommenden Jahrzehnten einen störungsfreien Betrieb mit geringen Wasserverlusten zu organisieren. Die konzeptionelle Arbeit wird uns dabei unterstützen, auch in der Perspektive für Klarheit zu sorgen und unsere sehr langfristigen Versprechen einzulösen.“, sagt Peter Sczepanski.

Seit 1994 hat der MAWV über 320 Millionen Euro in Anlagen und Netze der Trinkwasserversorgung und der Abwasserbehandlung investiert. Hierunter fallen 8 Wasserwerke, 6 Druckerhöhungsstationen und ein Leitungsnetz von über 960 Kilometern Länge, was einer Strecke vom Kap Arkona bis zur Zugspitze entspricht. Aktuell wohnen im Verbandsgebiet 107.490 Einwohner, von denen der MAWV 106.700 mit Trinkwasser versorgt. Das entspricht einem Anschlussgrad von 99,3 Prozent.

„Vor zwanzig Jahren hätte kaum jemand gedacht, dass der spezifische Trinkwasserverbrauch in unserem Versorgungsgebiet bei 107 Liter pro Einwohner liegen könnte. Für die kommenden 20 Jahre erwarten wir keine grundlegenden Verhaltensänderungen. Wir sind uns vielmehr ziemlich sicher, dass Trinkwasser aus dem Wasserhahn in Deutschland dann immer noch zum Lebensmittel Nummer eins gehören wird. Was nicht ohne Konsequenzen auch für unseren Verband bleiben wird, sind steigende Anforderungen insbesondere an den Schutz der Trinkwasserressourcen“, bemerkt Peter Sczepanski.

Ein wichtiger Bestandteil der Betrachtung sind Szenarien für das Trinkwasserverbundsystem sowie für die Wachstumsregion im Norden und die Bestandsregion im Süden. Das Konzept beinhaltet zudem eine Bedarfsdeckungsbilanz, die auf Angaben zur Bevölkerungsentwicklung aufbaut. Während früher für die Berechnung ein mathematisch statistischer Ansatz gewählt wurde, was in der Regel bedingt durch ein steigendes Bruttosozialprodukt und verfügbares Einkommen eine steigende Tendenz ergab, betrachtet das MAWV Trinkwasserversorgungskonzept differenziert einzelne Verwendungsbereiche des Wassers. Die verwendete Szenariotechnik ermöglicht es, Entwicklungen in der Zukunft zusammenhängend zu analysieren und darzustellen. Die Prognosen für das Versorgungsgebiet werden unter Berücksichtigung von relevanten Rahmenbedingungen aus Politik, Wirtschaft, Klima, Demografie und Wasserwirtschaft getroffen.

Neben den täglich zu meisternden Anforderungen an Gewinnung, Aufbereitung, Speicherung und Verteilung von Trinkwasser beeinflussen zunehmend auch wassersparende Technologien das Verbraucherverhalten in Haushalt und Industrie. Hierzu gehören Ausstattung als auch Häufigkeit und Verbrauch pro Benutzung sanitärer Anlagen. In touristisch attraktiven Regionen ist eine Tendenz zur Zweit- und Ferienwohnung zu vermuten, was die Gewohnheiten im Umgang mit Trinkwasser beeinflusst. Im Norden des MAWV Verbandsgebietes zeichnet sich am Flughafens BER eine wirtschaftliche Entwicklung ab, was die Trinkwasserversorgung über kurz oder lang tangieren wird.

Das Trinkwasserversorgungskonzept ist ein Instrument für die konzeptionell-planerische Arbeit des Verbandes. Neben den örtlichen Gegebenheiten werden das Verbrauchsverhalten, die demographische Entwicklung und die hydrologischen Verhältnisse. Das Konzept betrachtet die technische Auslegung und den Betrieb der Wasserversorgungsanlagen und -systeme, beschreibt Maßnahmen zu Kosten für Bau, Unterhaltung und Betrieb und nicht zuletzt zu den Wasserpreisen sowie anderen technischen und wirtschaftlichen Kriterien.

„Wir entwickeln ein Planungsinstrument, das den Verband dabei unterstützt, unternehmerische Entscheidungen im Sinne einer nachhaltigen und sicheren Entwicklung der Trinkwasserversorgung vorzubereiten und zu treffen“, so Falko Börnecke, der als Technischer Leiter im MAWV die Erstellung des Trinkwasserversorgungskonzeptes verantwortet. „Das Ziel ist letzten Endes, Bevölkerung, Gewerbe und Industrie ausreichend und in hoher Qualität mit Trinkwasser zu sozialverträglichem Preis zu versorgen. Im ersten Teil des Konzeptes analysieren wir den aktuellen Stand, um im zweiten Teil mögliche Trendentwicklungen, örtliche und überörtliche Gegebenheiten in Strategie und Grundsätze der Trinkwasserversorgung einzuarbeiten.“

Bereits heute ist absehbar, dass es wesentliche Treiber für einen sich ändernden Trinkwasserbedarf im Versorgungsgebiet gibt. In erster Linie zählen hierzu demografisch und klimatisch bedingte Veränderungen. So ist im Versorgungsgebiet mit abnehmenden Sommerniederschlag, zunehmenden Winterniederschlag, längeren niederschlagsfreien Perioden sowie stärkeren Regenereignissen zu rechnen, was Anpassungsstrategien für die Notfallvorsorge bei Extremsituationen erfordert.

„Im Rahmen der Grundlagenermittlung für das Konzept schauen wir uns sehr genau den Status Quo unserer Brunnen, Wasserwerke, Leitungen, Verdichterstationen und Speicheranlagen an. Darauf aufbauend simulieren wir Modelle und entwickeln Szenarien, um die in den kommenden Jahren notwendigen Anpassungen an das Netz rechtzeitig vorherzusagen und einzuplanen“, erläutert Falko Börnecke: „Wie punktgenau wir dann mit unseren Zukunftsvorhersagen liegen, wird auch davon abhängen, ob wir auf der Basis von sorgfältig erhobenen Primärdaten mit Rohrnetzmodellierungen und Tagessimulationen eine statistisch akzeptable Vorhersage treffen.“

Der für den Verband aus dem Konzept entstehende Nutzen liegt für Falko Börnecke auf der Hand: „Das Konzept leitet auf der Grundlage von Ausgangsdaten eine mittelfristige (2020) und eine langfristige Prognose (2035) für die Entwicklung des Wasserbedarfs im Untersuchungsgebiet ab. Wir erlangen sehr früh Klarheit darüber, wie hoch eine zu beantragende Bewilligungsmenge sein muss, die sich aus dem Trinkwasserbedarf zuzüglich eines Sicherheitszuschlages ermittelt. Das wird einen wichtigen Rahmen für die Wasserversorgung bis 2035 abstecken. Die Meilensteine auf diesem Weg dahin werden wir in einem Maßnahmenkatalog ausarbeiten.“