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Sauberes Wasser für alle

Königs Wusterhausen, MAWV begrüßt „Nationale Wasserstrategie“ des Bundes

Königs Wusterhausen, 15 Juni 2021 – Im Rahmen des 3. BMU-Wasserforums erläuterte Bundesumweltministerin Svenja Schulze das strategische Ziel, sauberes Wasser in Deutschland in 2050 überall und im erforderlichen Maße verfügbar zu halten. Mit dem Entwurf für eine „Nationale Wasserstrategie“ will das Bundesumweltministerium die natürlichen Wasserreserven Deutschlands sichern, Vorsorge gegen Wasserknappheit leisten, Nutzungskonflikten vorbeugen, sowie den Zustand der Gewässer und die Wasserqualität verbessern. Ein Aktionsprogramm soll hierbei die für die Wasserversorgung Verantwortlichen unterstützen, bis 2050 für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser zu sorgen. Der Bund werde sich an einem Sofortprogramm für Gewässerentwicklung und Anpassung der Wasserwirtschaft an den Klimawandel mit einem Gesamtvolumen in Höhe von einer Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren beteiligen.

MAWV Verbandsvorsteher Peter Sczepanski begrüßt den vom Bund gesetzten politischen Rahmen. „Ziele sind wichtig, um in der Praxis die Orientierung zu haben. Der MAWV engagiert sich im Verbandsgebiet, in der Metropolenregion Berlin-Brandenburg und im Land Brandenburg für die Umsetzung des Leitbildes einer nachhaltigen Siedlungswasserwirtschaft. On top fordert uns ein sich änderndes Klima heraus, die Versorgungssicherheit stets in hoher Qualität zu gewährleisten. Drei Dürrejahre in Folge haben das Wasserdargebot durch sinkende Grundwasserstände einerseits und das Verbraucherverhalten besonders in der warmen Jahreszeit verändert. Wenn der Strategieentwurf eine sichere Versorgung mit Wasser und die hohe Qualität unserer Gewässer als Wirtschaftsfaktor betont, ist es umso wichtiger, dass wir als Verband gemeinsam mit dem Land Brandenburg und den vielen Wasserinitiativen an der Umsetzung der für die Region relevanten praktischen Umsetzungen arbeiten“, kommentiert Peter Sczepanski.

Die Nationale Wasserstrategie des BMU gliedert sich in zehn strategische Themenbereiche. Im Kern steht die Daseinsvorsorge. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen auf eine sichere, bezahlbare und leistungsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zählen können. Gesunde Gewässer und ein funktionsfähiger Wasserhaushalt sind zentrale Voraussetzungen für den Erhalt einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt.

Der Entwurf der Nationalen Wasserstrategie des BMU wird durch ein umfassendes Aktionsprogramm ergänzt: 57 Maßnahmen sollen bis 2030 schrittweise umgesetzt werden.

Hier eine Auswahl:

Datenbasis erweitern, Prognosefähigkeit stärken

Die Behörden von Bund und Ländern müssen genauer vorhersagen können, wo Wasser in Zukunft verfügbar ist und wo es gebraucht wird. Mehr und bessere Daten sollen Vorhersagen ermöglichen, in welchen Regionen das Wasser knapp werden könnte. Das BMU unterstützt die Forschung und Entwicklung von Datenbanken, Prognosen und Szenarien.

Regeln für Nutzungskonflikte entwickeln und festlegen

In einem Beteiligungsprozess von Bund und Ländern sollen Empfehlungen und Kriterien entstehen, wer im Fall von regionaler Wasserknappheit vorrangig Wasser nutzen darf (Wassernutzungshierarchie). Von der Bundesebene kommt die generelle Orientierung, die Kriterien können regional angepasst und näher ausgestaltet werden. Gemeinsam mit seinen Partnern entwickelt das BMU Vorsorgemaßnahmen zur langfristigen Sicherung der Wasserversorgung und Krisenmaßnahmen für Extremereignisse.

Überregionale Wasserversorgung etablieren

Der Grundsatz einer möglichst ortsnahen Wasserversorgung soll auch in Zukunft gelten. Ergänzend werden aber Verbundnetze und Fernleitungen nötig sein, die regionale Unterschiede in der Wasserverfügbarkeit ausgleichen. Das BMU wird gemeinsam mit den Ländern den Bedarf für solche Systeme der überregionalen Wasserversorgung bundesweit erheben. Erforderliche Flächen und Trassen sollen in Raumordnungsplänen vorsorglich ausgewiesen werden.

Abwasserabgabe am Verursacherprinzip ausrichten

Das BMU wird die Abwasserabgabe so neugestalten, dass sie stärkere Anreize für eine weitere Verringerung der Gewässerverschmutzung durch kommunales und industrielles Abwasser setzt. Die Einnahmen können unter anderem genutzt werden, um Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe auszustatten.

„Smarte Wassertarife“

Oft ist nicht die insgesamt nachgefragte Menge das Problem, sondern der Leitungsdruck, wenn zu viel Wasser zur selben Zeit nachgefragt wird. Wenn man weiß, wann die Nachfrage gering ist, kann Wasser günstiger angeboten werden. Im Ergebnis würden Verbraucherinnen und Verbraucher zum Beispiel ihre Waschmaschine zu Zeiten laufen lassen, in denen weniger Wasser gebraucht wird. Um flexibler auf die jeweilige Wassernachfrage reagieren zu können, entwickelt das BMU in einem Pilotprojekt neue „smarte“ Lösungen für einen nachhaltigen Umgang mit Wasser.

Wassersensible Städte bauen

Gemeinsam mit den Kommunen und den Fachverbänden entwickelt das BMU ein Konzept für eine gewässersensible Stadtentwicklung („Schwammstadt“). Die bestehenden technischen Regeln werden daraufhin überprüft, ob sie zum Erhalt des natürlichen Wasserhaushalts, Klimaanpassung und Stadtnatur beitragen, und wo nötig überarbeitet.

Überwachung des Abwassers mit Blick auf Gesundheitsgefahren

Spuren von Viren können mittlerweile im Abwasser gut nachgewiesen werden. An ihrer Konzentration kann man erkennen, ob die Infektionszahlen an einem Ort anziehen oder abflachen, und zwar früher als über Tests beim Menschen. Wie ein bundesweites Monitoring aussehen könnte, untersucht die Bundesregierung gerade in einem Pilotprojekt.

Finanzielle Unterstützung

Der Bund wird Länder und Kommunen mit einem Gesamtvolumen von jährlich einer Milliarde Euro über die kommenden zehn Jahre unterstützen, den ökologischen Zustand der Gewässer zu verbessern und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel zu erhöhen. Renaturierungsmaßnahmen, den Abbau von Hindernissen für wandernde Arten, die Beschattung von Gewässern gegen Erwärmung und die Rückgewinnung bzw. Schaffung natürlicher Speicher als Vorsorge gegen Trockenheit sind Beispiele. Auch eine Förderung des Ausbaus von Kläranlagen mit zusätzlichen Reinigungsstufen soll ermöglicht werden, um Spurenstoffe besser herausfiltern zu können.

Modernisierung des Wassersektors

Für die Modernisierung des Wassersektors und die Anpassung an den Klimawandel sind Investitionen erforderlich. Der Bund soll Länder und Kommunen unterstützen, durch eine direkte Beteiligung an der Finanzierung und durch die Weiterentwicklung beziehungsweise das Schaffen von Finanzierungsinstrumenten. Dafür enthält die Strategie eine Reihe von Vorschlägen.

Das alles sind hohe Ziele, welche wir gemeinsam angehen möchte. Wir fangen aber nicht bei Null an, sondern sind schon mittendrin, so Verbandsvorsteher Peter Sczepanski.

Melina Schniegler-Dagge
Öffentlichkeitsarbeit