DSI-Infiltrationsanlage in Betrieb genommen

August 2025

Der Märkische Abwasser- und Wasserzweckverband (MAWV) hat Mitte August 2025 im Waldstück am ehemaligen Reifenwerk Schmöckwitz eine DSI-Infiltrationsanlage in Betrieb genommen. Anlass für die Maßnahme ist die überarbeitete Trinkwasserverordnung vom 06/2023, mit der erstmals verbindliche Grenzwerte für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) eingeführt wurden. Ab dem 12. Januar 2026 gelten Grenzwerte von 100 Nanogramm pro Liter für die Summe von 20 PFAS (PFAS-20) und ab dem 12. Februar 2028 von 20 Nanogramm pro Liter für die vier besonders besorgniserregenden PFAS (PFAS-4).

Am Standort des Wasserwerks Eichwalde zeigen Prognosen, dass ohne geeignete Gegenmaßnahmen eine Überschreitung des PFAS-4-Grenzwertes ab 2028 zu erwarten wäre. Um die Versorgungssicherheit und die Einhaltung der zukünftigen Trinkwassergrenzwerte sicherzustellen, hat der MAWV den Bau der DSI-Anlage beauftragt.

Seit der Feststellung der PFAS-Belastung am Reifenwerk Schmöckwitz steht der MAWV im Austausch mit den zuständigen Berliner Behörden. Zudem wurde das Brunnenregime am Wasserwerk so angepasst, dass die Schadstoffahne auf bestimmte Brunnen fokussiert wird und nicht unkontrolliert sich ausbreitet.

In der neu errichteten Anlage wird nun temporär bis zur Installation der Grundwasserreinigungsanlage (siehe Abschnitt: „Wie geht es weiter?“) das PFAS-haltige Grundwasser aus zwei Brunnen gezielt gefördert und über eine oberirdische Leitung zur Schadstelle zurückgeführt. Dort wird es im sogenannten DSI-Verfahren (Düsensauginfiltration) drucklos in die bereits belastete obere Grundwasserzone infiltriert. Ziel ist es, bereits jetzt die künftigen Grenzwerte im Reinwasser des Wasserwerks durch diese Maßnahme einhalten zu können.

Was sind PFAS?

PFAS ist eine Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Es sind industriell hergestellte organische Verbindungen aus Kohlenstoffketten verschiedener Längen, bei denen die Wasserstoffatome vollständig (perfluoriert) oder teilweise (polyfluoriert) durch Fluoratome ersetzt sind. Sie kommen natürlicherweise so in der Umwelt nicht vor und werden nicht bzw. kaum abgebaut.

PFAS werden seit den späten 1940er Jahren hergestellt, mittlerweile sind mehr als 10.000 verschiedene Verbindungen dieser Industriechemikalien bekannt.

PFAS kommen aufgrund ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in zahlreichen Produkten wie Papier, Textilien, antihaft-beschichteten Pfannen oder Kosmetika vor und werden zudem in Reinigungs- und Pflanzenschutzmitteln und Feuerlöschschäumen verwendet. 

PFAS gelangen über unterschiedliche Wege in die Umwelt. Sie können sich an Partikel anlagern und dadurch über große Entfernungen durch die Luft transportiert werden, selbst in abgelegene Regionen. Aus diesem Grund lassen sich PFAS auch in Polarregionen und alpinen Seen nachweisen – weit entfernt von industriellen Produktionsstätten und menschlichen Siedlungen. Mit Regen oder Schnee gelangen die Stoffe schließlich aus der Atmosphäre in Böden, Gewässer und Grundwasser.

(Quelle: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/2546/publikationen/uba_sp_pfas_web_0.pdf)

Woher stammt der Schaden?

Die erhöhten PFAS-Konzentrationen im nördlichen Umfeld des Wasserwerks Eichwalde gehen auf mehrere Löscheinsätze der Feuerwehr bei Bränden auf dem Gelände des ehemaligen Reifenwerks in Schmöckwitz in den Jahren 2005 bis 2009 zurück. Als Haupteintragsereignis gilt der Großbrand im Jahr 2005, bei dem PFAS-haltiger Löschschaum eingesetzt wurde.

In den Jahren 2024 und 2025 dokumentierte die Bodenschutzbehörde des Berliner Senats im Rahmen ihrer erkundungsmaßnahmen, dass sich die PFAS-Belastung vom Eintragsgrundstück aus über das Grundwasser in Richtung des Wasserwerks Eichwalde ausgebreitet hat – bis hin zur Fördergalerie „Turmseite“ auf Brandenburger Stadtgebiet.

Wie geht es weiter?

Zum Schutze des Wasserwerks wird im Auftrag des Berliner Senats und in enger Zusammenarbeit mit dem MAWV, sowie den beteiligten Berliner und Brandenburger Behörden eine hydraulische Sicherung bestehend aus Sicherungsbrunnen und einer Grundwasserreinigungsanlage geplant und installiert.

Dies ist, nach der kurzfristigen Sicherung des Wasserwerks durch die DSI-Anlage des MAWV, ein weiterer Schritt zur Abreinigung des belasteten Grundwassers. Zur Überwachung der hydraulischen Sicherungsmaßnahme wird zudem ein umfangreiches Grundwassermessstellennetz errichtet.

Weitere Schritte sind perspektivisch die vollständige Schadenserkundung und Schadensbeseitigung bzw. -sicherung auf den Eintragsflächen des ehem. Reifenwerks (Boden und Grundwasser) und in den dazugehörigen Transfergebieten.